350 Jahre neue Scheibenschießenverordnung

 

Königskette mit Papagei Es ist Pfingsten, irgendwann Ende des 16. Jahrhunderts. Nienburg ist eine mittelmäßig ausgebaute Festung, mit Stadtgraben, Erdwällen und Stattmauer. Und es gibt einige Rondelle zur Sicherung der Tore. Es ist die Zeit des Vogelschießens. In ihrer jahrhunderte alten Tradition zogen die Nienburger in Volksfestmanier vor die Tore der Stadt und halten ihr Übungsschießen ab. alter Holzstich Zuerst setzte man eine lebende Taube oder einen Hahn auf eine Stange und schoss sie herunter. Da aber das Schießen nach einer Taube als anstößig empfunden wurde, ersetzte man sie durch einen hölzernen Papagei. Drei Tage feierten die Nienburger ihr Fest das jeden Tag von einem Gottesdienst eingeleitet wurde. Seit 1581 erhält der beste Schütze den silbernen Papagei, der sich noch heute an der Königskette befindet. Doch dann begann der 30 jährige Krieg unter dem die Nienburger stark zu leiden hatten und das Vogel- bzw. Papageienschießen hatte seine Bedeutung verloren. 1648 war der Krieg vorbei und Nienburg zu zwei Drittel zerstört. Der damalige Landesherr, Christian Ludwig, Herzog zu Braunschweig - Lüneburg, machte sich nun daran Nienburg zu einer starken Festung auszubauen. Es entstanden die Bastionen, deren Reste man heute noch am Weserwall bewundern kann. Festung Nienburg um 1654 Mit der Verstärkung und Militarisierung der Stadt erfolgte auch die Umwandlung des Papageienschießens zum Scheibenschießen. Am 23.Mai 1654 erlässt Herzog Christian Ludwig die Verordnung, wie es beim Scheibenschießen gehalten werden soll. Außerdem verordnete der Landesherr eine terminliche Verlegung des Übungsschießens, weil es als "Profanisierung des Gottesdienstes" das Pfingstfest entheilige! Von nun an soll es an einem Werktag, am Montag nach Johanni, stattfinden. Auch hatte die Übung jetzt einen militärischen Charakter bekommen, da es an der nötigen und nützlichen Exerzierung dabei nicht fehlen dürfe. Das passte den Bürgen aber offenbar gar nicht! Auch das gestiftete Freibier konnte sie nicht recht überzeugen. Aber es half alles nichts, denn wer sich vor seinen Pflichten drückte wurde hart bestraft. Seit diesem Tage findet das Nienburger Scheibenschießen immer am Montag nach dem 24.Juni statt, und es ist seitdem nur 36mal, während Kriegs- Nachkriegs- und Besatzungszeiten, ausgefallen. Und auch das Freibier am Tillyzelt gehört immer noch dazu!


Quelle: Erich Prüssner, das Nienburger Scheibenschießen
Herausgegeben vom Offiziers- und Unteroffizierscorps der Nienburger Bürgerkompanien.
Mit freundlicher Unterstützung des Nienburger Museums